Schuld und Scham im Unternehmen

Montagmorgen, Meeting der wichtigsten Führungskräfte, die Stimmung ist angespannt, der Chef schlecht gelaunt. Performance und Prozesse laufen nicht optimal, ein wichtiges Projekt verzögert sich aufgrund mehrerer Umstände.

Es besteht Erklärungsbedarf. Die Führungskräfte versuchen zu eruieren, was, wann, wo und wie schiefgelaufen ist. Dem Chef ist das zu wenig griffig und er wird zunehmend grantiger. Die Führungskräfte wollen sich nicht blamieren, suchen nach Ausreden – und irgendwann prescht einer heraus: „Schuld bist du, Kollege X, weil von dir fehlt die laufende Aktualisierung!“

Und schon liegt die Schuld auf dem Tisch! Was nun? Wie soll Kollege X reagieren? Wie reagieren Menschen generell, die sich schuldig fühlen bzw. sich schämen?

Es gibt verschiedene Schamvermeidungsreaktionen. Dahinter steht immer ein Bedürfnis, nämlich das Bedürfnis nach Akzeptanz, Respekt, Zugehörigkeit oder Würde. Je nachdem reagieren die einen aggressiv und kontern. Damit wollen Sie die Schuld zurückspielen: „Ich war es nicht, du bist schuld!“

Die andere nehmen jede Schuld auf sich, mehr als ihnen überhaupt angelastet wird. Sie denken sich: „Ich bin an allem schuld.“
Wieder andere laufen rot an und würden am liebsten im Erdboden versinken. „Nur weg hier!“, ist deren Gedanke.

Und als vierte Schamvermeidungsreaktion gib es noch die Rebellion. Das Ausstiegsszenario dieser Gruppe ist: „Ihr könnt mich mal! Ich weiß es als Einziger besser und ihr werdet schon sehen, wohin das führt!“

Ist die Schuld mal weg, muss man sich nicht mehr schämen, dann kann man durchatmen, fühlt sich befreit. Doch was ist mit den Schuldigen? Erwartet wird von ihnen, dass sie den Fehler rasch gutmachen, schnell agieren, Lösungen finden, die Verantwortung übernehmen. Was jedoch passiert, ist genau das Gegenteil.

Wenn ich schuldig bin oder mich schäme:

  • bin ich gehemmt in meiner Kreativität
  • traue ich mir nicht, etwas zu sagen, Vorschläge einzubringen
  • bringe ich keine Stimmung ins Team, wirke demotivierend
  • fühle ich mich nicht wohl, grüble ich und denke nach, schlafe ich schlecht
  • verstecke ich mich, will ich nicht sichtbar sein
  • werde ich selbstkritisch und traue mir vieles nicht mehr zu
  • vermeide ich alles, um ja keine Fehler mehr zu machen

Was heißt das für Sie als Führungskraft und Kollegin bzw. Kollege? Vermeiden Sie das Gefühl von Schuld und Scham im Unternehmen, wo immer es möglich ist. Kritik und Feedback müssen sein, das ist klar. Wenn Sie Kritik anbringen, dann orientieren Sie sich an folgendem Leitfaden:

  • Beschreiben Sie die Situation.
  • Beschreiben Sie das Verhalten objektiv.
  • Beschreiben Sie die Konsequenz objektiv.
  • Beschreiben Sie Ihre subjektive Bewertung.
  • Definieren Sie Ihre Erwartungen.

Gesprächsführung und Gesprächskultur sind das soziale Öl in Unternehmen. Wirksame Kommunikationstechniken sind erlernbar und erweitern die persönlichen Kompetenzen. Von allen gut eingesetzt entsteht einerseits eine professionelle Kritik- und Feedbackkultur, andererseits lassen sich konstruktive und lösungsorientierte Wege finden.


Wir begleiten Sie und Ihre Mitarbeitenden gerne auf dem Weg zu einem motivierten, kreativen und innovativen Team und zu einer Unternehmenskultur, die zum Mitarbeiten einlädt.

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